Anett Steiner

Der Wechsel allein ist die Beständigkeit - Schopenhauer

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Start Bücher Leseprobe: Regenfrau

Kuss der Regenfrau

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Auszug

(...)

 

Paul öffnete das Fenster, die kühle Abendluft erfrischte ihn und begleitete ihn bis ins Badezimmer.

Er duschte kalt, hatte von der Hitze genug, genau so wie vom Schmutz auf der Haut.

Er ließ nur wenig Wasser auf sich herab regnen, sah den Tropfen zu, wie sie den Schweißbahnen folgten auf einer Berg- und Talbahnfahrt über Muskeln, Sehnen und einen nicht mehr allzu jungen Körper. Das schmutzige Wasser tanzte als kleiner Strudel über dem Abfluss und Paul ertappte sich dabei, das sein Kopf sich leer anfühlte, während er vor sich hin starrte. Doch nicht nur sein Kopf war leer. Er drehte das Wasser voll auf, der Strahl traf schmerzhaft auf seine verspannten Nackenmuskeln.

Er seifte sich ab, wusch sein Haar, wartete vergeblich darauf, das er sich sauber und erfrischt fühlen würde. Aber er blieb müde, die Erschöpfung ließ sich nicht vertreiben, auch wenn sein Hunger inzwischen vergangen war.

Er rieb sich mit einem Handtuch trocken, das so rau war, wie er es eigentlich mochte, aber diesmal reizte es nur unangenehm seine sonnenverbrannte Haut. Also schlang er es sich um die Hüften, obwohl seine Schultern noch immer feucht waren, sein Haar tropfte, seinen Füße nasse Spuren auf den Bodenfliesen hinterließen.

Er fragte sich, ob die Flasche Whisky noch hinter dem Wohnzimmerschrank stand, wo er sie versteckt hatte, nachdem er sich das letzte Mal betrunken hatte. Sie war noch da und das zauberte ihm ein Lächeln aufs abgespannte Gesicht.

Er holte ein Glas aus dem Schrank und füllte es bis zum Rand. Er stellte sich damit ans Fenster und schaute hinaus auf die Straße. Die Hitze der letzten Tage endlud sich abkühlend in einem heftigen Gewitter.

...

(Auszug Ende)