Anett Steiner

Der Wechsel allein ist die Beständigkeit - Schopenhauer

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Straßengeflüster

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Enrico sah die Anhalterin schon von Weitem.

Es war eine lange, staubige Landstraße, die er an diesem heißen Spätsommertag entlangfuhr, die Gräser lagen schwer an den Straßenrändern, das Korn auf den Feldern träge reif zur Ernte.

Die Sonne stand hoch, das Wasser war knapp und die Menschen dösig von der andauernden Hitze.

Enrico war ein Einzelgänger und hatte schon immer seine eigenen Gesetze gemacht, weil die der Gesellschaft nur selten in seinem Interesse waren.

Er hatte keine Frau, keine Kinder, nur eine alte Mutter, ein paar Schulden und ein dunkles Geheimnis.

Die Anhalterin am Straßenrand wurde zunehmend deutlicher, je näher Enrico ihr kam. Zweifellos war es eine Frau, ihr blondes langes Haar glänzte in der Sonne, die endlos scheinenden Beine steckten trotz der Hitze in Stiefeln und während sie mit einer Hand die Augen beschattete, bedeutete die andere Enrico, anzuhalten.

Sachsen, wo die schönsten Mädchen wachsen, dachte er und
überlegte, ob er die Blondine mitnehmen sollte.

Sie wäre nicht die erste.

Er schaute sich im Auto um und entschied, dass es ganz ordentlich aussah, abgesehen von dem Schuh im Fußraum vor dem Beifahrersitz und ein paar blauen Perlen...

Andererseits...

...andererseits sollte er es vielleicht nicht übertreiben.

Enrico griff nach der Wasserflasche und nahm einen kräftigen Schluck. Er verlangsamte seine Fahrt, um mehr Zeit zum Überlegen zu haben, bevor er die Anhalterin erreichte. Noch war er unentschlossen.

Wohltuend rann die Flüssigkeit seine Kehle hinab, obwohl sie inzwischen die Temperatur von Spülwasser erreicht hatte. Egal! Wasser braucht der Mensch, besonders bei dieser Hitze, sonst kann er nicht denken und wer nicht denkt, macht Fehler...

Auf dem Beifahrersitz lag noch eine dieser verdammten blauen Perlen, er hatte sie wohl übersehen.

Die Frau am Straßenrand winkte unaufhörlich. Sie hüpfte dabei und alles an ihrem Körper begann zu schwingen – Enrico musste wegsehen. Und vor allem musste er sich langsam entscheiden, sonst würde er in wenigen Augenblicken an ihr vorüber sein.

Anhalten? Dummheiten machen?

...

Die ganze Geschichte findet ihr in "Mords-Musik